Was es zum Sammeln von Wildpflanzen zu wissen gibt

Ich glaube, ich habe so vor maximal zwei Jahren zum ersten Mal in meinem Leben bewusst darüber nachgedacht, dass man Pflanzen aus der freien Natur ja essen kann. Vor zwei Jahren… da war ich 21 Jahre alt… Wenn ich überlege, was es eigentlich für eine Selbstverständlichkeit ist, dass der Mensch seine Nahrung aus der unkultivierten Natur beziehen kann, finde ich das verblüffend spät.

Ich würde mal erwarten, dass dieser Gedanke vielen Menschen, wie mir, noch nie oder erst sehr spät in ihrem Leben kam. Überraschend ist das natürlich nicht, denn was wir für unsere Ernährung brauchen, bekommen wir heute im Supermarkt, im Bioladen, im eigenen Garten. Wir haben einfach keine Notwendigkeit mehr, selbst zum Sammeln in die Natur zu gehen.

Essbare Wildpflanze: Gundermann

Essbar: Gundermann

Was für essbare Wildpflanzen gilt, gilt eigentlich ganz allgemein: Die meisten Menschen unserer Gesellschaft (ich zähle mich da ganz bewusst dazu), sind ziemlich wenig mit der Natur um sie herum vertraut. Glücklicherweise sind Ernährung und Gesundheit aktuell so trendige Themen — dadurch steigt denn auch das Interesse an essbaren Wildpflanzen (:

Wie sollen wir — stereotype Stadtroboter — von der Welt außerhalb unserer Schreibtischstühle aber jetzt plötzlich wissen, was diese uns zu Essen bietet? Das hoffe ich uns mit diesem Artikel etwas zu erleichtern (: Ich erkläre hier vielerlei grundlegende Dinge und gebe ein paar Tipps zum Einstieg ins Wildpflanzensammeln — in der Hoffnung, dass ihr damit euren ganz eigenen Zugang finden könnt.

Ich freue mich, wenn auch Menschen, die sich schon ein wenig mit essbaren Wildpflanzen auskennen, hier noch etwas Neues für sich finden können. Durch ein Scrollen über die Überschriften könnt ihr euch an den Inhalten orientieren.

Woher weiß ich, welche Pflanzen ich essen kann?

Nun, Wissen wird in der Regel erlernt… Wenn man bedenkt, dass es Pflanzen gibt, die hochgiftig für uns sind, sollten wir uns allerdings nicht in erster Linie auf ein Lernen durch Versuch und Irrtum verlassen (; Zum Glück gibt es einige gute Möglichkeiten, uns von außen helfen zu lassen.

Für ganz unersetzlich halte ich ein wirklich gutes Buch zum Bestimmen von essbaren Wildpflanzen. Mit detaillierten Bildern, Fundorten, Hinweisen auf Verwechslungsgefahren, Blütezeiten, … Ein handliches Buch mit allerlei Informationen, das wir zu unseren Spaziergängen bei uns tragen können.

Solche Bestimmungsbücher sind in der Regel nach einem Pflanzenmerkmal geordnet: die Blütezeit, die Blattform, … Das ist einerseits praktisch, andererseits aber auch manchmal unpraktisch, wenn wir z.B. mit unserem Blütezeitbüchlein eine Pflanze bestimmen wollen, die gerade nicht blüht.

Je nachdem, wie bücherwillig ihr seid, empfehle ich euch deshalb folgendes: Investiert ein bisschen Geld (~20 Euro, oder mehr, oder weniger) für ein gutes Bestimmungsbuch zu essbaren Wildpflanzen und schaut darüber hinaus mal auf eBay und Flohmärkten nach Büchern mit anderem Ordnungsmerkmal — ich denke, dass sich da eine Vielzahl weniger ausführlichere Bestimmungsbücher zu kleinem Preis finden dürften, mit denen ihr euer Hauptbuch wunderbar ergänzen könnt (: Diese anderen Bücher müssen sich dann auch nicht auf essbare Pflanzen beschränken.

Waldmeister

Waldmeister

Für den allerersten Einstieg ist es sicher auch super, mit Menschen loszuziehen, die sich mit essbaren Wildpflanzen bereits etwas auskennen und euch eure ersten Pflänzchen zeigen. Ich bin mir sicher, dass ihr mindestens unter euren älteren Verwandten Menschen findet, die so ein Wissen noch besitzen und sich nur zu sehr freuen, das weiterzureichen (:

Was es heute mehr und mehr gibt, sind veranstaltete Kräuterwanderungen. Das sind Kräuterspaziergänge unter Leitung eines*r Führer*in, der*die die Teilnehmer an die Hand nimmt und ihnen vor Ort Pflanzen vorstellt. Schaut euch um, ob ihr so etwas in eurer Umgebung findet! Solche Kräuterwanderungen gibt es sowohl in kostenfreier als auch in bezahlter Variante.

Auch im Internet gibt es selbstverständlich zahlreiche Informationen. Die sind für die Heimrecherche wirklich gut, aber mit ständigem Blick auf’s Smartphone mag man wohl weniger auf Kräutertour gehen.

Trotz all dieser vielen Quellen, bleibt es alles andere als leicht, einen Überblick über die riesige Pflanzenwelt zu bekommen — letzten Endes müssen wir jede Pflanze einzeln selbst erkennen, erfahren… Für mich ist es das Richtige, das Lernen gaanz langsam anzugehen, eine Pflanze nach der anderen kennen zu lernen. Mich über zwei neue Bekanntschaften nach einer Wanderung freuen und nicht überfordert sein, ob der hunderten anderen, deren Bekanntschaft man heute nicht machen durfte (:

Und welchen Pflanzenteil esse ich dann?

Ganz allgemein gesprochen lassen sich erstmal alle Pflanzenteile — ob Blätter, Blüten, Samen, Früchte, Rinde oder Wurzel — essen. Welchen Pflanzenteil einer bestimmten Pflanze man essen kann, ist dann von Pflanze zu Pflanze unterschiedlich. Es gibt Pflanzen, da sind die wertvollen Inhaltsstoffe besonders in einem Pflanzenteil zu finden. In anderen sind sie überall verteilt. Es gibt Pflanzen, da schmecken alle Teile ähnlich — und andere Pflanzen, da schmecken und gesunden beispielsweise die Blätter, während die restlichen Pflanzenteile ungenießbar oder giftig sind.

Auch kommt es auf die Jahreszeit an. Manche Pflanzen verlieren ihren Geschmack nach der Blüte (siehe Bärlauch), andere werden mit zunehmendem Alter unappetitlicher.

Diese Diversität macht es uns jetzt noch schwerer, einen Überblick zu gewinnen. In einem guten Buch zum Bestimmen essbarer Wildpflanzen sollten sowohl die essbaren Pflanzenteile als auch die für sie geeignete Jahreszeit dabei stehen! Ein solches Buch wappnet uns — das Studium und die Erfahrungen bleiben uns selbst überlassen. Auch hier kann ich nur nochmals empfehlen, alles langsam anzugehen und Pflänzchen für Pflänzchen für sich zu erschließen.

Sind essbare Wildpflanzen nicht gefährlich?

Giftpflanze: der Fingerhut

Hübsch, aber sehr giftig: der Fingerhut

Nun. Es gibt auf jeden Fall einige weit verbreitete Giftpflanzen und einige davon sehen manchen essbaren Pflanzen auch zum Verwechseln ähnlich. Eine gewisse Gefahr ist also nicht abzustreiten.

Ich glaube aber, dass wir dazu neigen, diese Gefahr zu überschätzen und dass unsere Angst vor der Natur unnötig groß ist.

Soweit mein bisheriger Überblick nach meinen ersten Kräutertouren reicht, kann ich sagen, dass ein wirklich großer Teil der essbaren Wildpflanzen keine giftigen Doppelgänger hat. Beschränken wir uns doch erstmal auf diese Pflanzen — und wenn wir uns erfahrener und sicherer fühlen, können wir neu und differenzierter entscheiden, für wie hoch wir die Risiken wirklich halten und welche davon wir eingehen möchten.

In einem guten Bestimmungsbuch sollten mögliche Verwechslungsgefahren mit Giftpflanzen beschrieben sein. Wer gerne noch sicherer gehen möchte, kann zusätzlich noch das Internet zu Rate ziehen. Jede Pflanze, mit der wir uns neu vertraut machen, sollten wir außerdem erst einmal langsam beschnüffeln. Wie wir das tun, beschreibe ich später noch.

Wer hat Angst vorm Fuchsbandwurm?

Neben der Angst vor Giftpflanzen ist die allergrößte Prominenz unserer gesellschaftlich verbreiteten Ängste vor der Natur der Fuchsbandwurm. Der Fuchsbandwurm ist ein Parasit, der im Dünndarm mancher Tiere (meist Füchse) lebt. Über den Kot der Füchse gelangen die Eier des Fuchsbandwurms in die Umwelt. Von dort finden sie ihren Weg in Zwischenwirte (z.B. Mäuse) und können sich, wenn diese Zwischenwirte von einem Fuchs geschnappt werden, darüber wieder längerfristig in einem Fuchs ansiedeln.

Wenn die Eier sich über den Fuchskot in der Umwelt verteilen, verteilen sie sich auch in der Erde oder haften am Fell von vorbeistreifenden Tieren. Läuft eine Maus mit Kot im Fell dann an einer Pflanze vorbei, können die Eier theoretisch an der Pflanze hängen bleiben und von uns gegessen werden. In 10-20% aller Fälle soll das zur alveolären Echinokokkose führen — einer Krankheit, die bei Nicht-Behandlung tödlich endet und anderenfalls in der Regel eine jahre- bis lebenslange Chemotherapie benötigt.

Wurmbefall … fast überall möglich … tödlich oder zumindest chronisch … mikroskopisch klein… Zugegeben: Das klingt ein wenig gruselig. Der Haken ist, dass eine Infektion mit dem Fuchsbandwurm statistisch gesehen enorm unwahrscheinlich ist. Das Robert-Koch-Institut verzeichnete für das Jahr 2013 deutschlandweit ganze 36 Erkrankungen an der alveolären Echinokokkose¹. Trotz zu erwartenden steigenden Zahlen, bleibt die Zahl alles in allem sehr gering.

Das noch nicht genug, ist auch daran zu zweifeln, wie viele dieser Infektionen wirklich durch den Verzehr von essbaren Wildpflanzen zustande kamen. Die meisten Fälle sollen bei Menschen auftreten, die engen Kontakt zu Felltieren haben (Menschen, die mit Hunden zusammenleben). Danach kämen Landwirte und Waldarbeiter².

Prof. Dr. Klaus Brehm vom Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Uni Würzburg sagt in einem Radiointerview: „Auch damals, als die Behauptung aufgestellt wurde, dass es die Beeren [meist werden Waldbeeren als das gefährliche Sammelgut genannt, Anmerkung vegankitchenlab] seien, hatte es keinerlei experimentelle oder epidemologische Evidenz dafür gegeben, dass es wirklich die Beeren sind. Das war einfach ’ne Vermutung und ’ne Annahme, die dann immer weiter und weiter gegeben worden ist.“².

Ist damit das Risko für den Fuchsbandwurm beim Kräutersammeln vom Tisch? Nein, nicht ganz. Aber mit diesem Mehr an Wissensstand kann jeder von uns die Situation und das Risiko für sich selbst besser abschätzen und seinen Umgang damit selbst bestimmen — statt in gesellschaftlicher Hysterie Ängste vor der Natur zu reproduzieren.

Wir können uns jetzt selbst entscheiden, ob wir uns auf Pflanzenteile beschränken, die sich in einer gewissen Höhe befinden, bei der ein Kontakt mit dem Fell von Mäusen, Fuchsen und co. wohl auszuschließen ist. Oder ob wir auch Pflanzenteile aus kleinerer Höhe mit nach Hause nehmen und dort gründlich waschen. Oder ob uns von der Sorge vor dem Fuchsbandwurm gar nicht einschränken lassen wollen.

Da! Dieda will ich glaub‘ essen! Wie schnüffle ich mich da jetzt ran?

essbar: die Brennessel

essbar: die Brennessel

Wenn wir eine neue Pflanze entdeckt haben und uns nicht vollkommen sicher sind, ob sie uns schadet, nähern wir uns schrittweise³. Dabei verlassen wir uns auf unsere Sinne. Zuerst riechen wir an dem Pflanzenteil, für den wir uns interessieren. Riecht er nicht unangenehm, zerreiben wir ihn zwischen unseren Fingern. Das intensiviert den Geruch und wir können nochmal schnuppern und einschätzen, ob der Geruch unangenehm ist.

Wir achten dabei auch darauf, ob die Pflanze einen Milchsaft absondert. Das könnte ein Hinweis auf sogenannte Alkaloide sein — ein Alkaloid ist beispielsweise das Solanin, das für die grünen Stellen auf Kartoffeln verantwortlich ist. Alkaloide sind für uns in der Regel giftig und wir sollten vorher nochmal gut recherchieren, ob die Pflanze, die diesen Milchsaft absondert, gut für uns ist (nicht jeder Milchsaft soll auf Alkaloide schließen lassen⁴).

Besteht das Pflänzchen den Geruchstest und tritt kein Milchsaft aus Rissen aus, können wir uns langsam geschmacklich rantasten. Zuerst tippen wir nur mit unserer Zunge an den Pflanzenteil. Danach nehmen wir eine kleine Menge in unseren Mund und kauen gründlich und für längere Zeit. Zuletzt schlucken wir den Pflanzenteil herunter.

Bei alledem achten wir darauf, ob unser Körper uns durch einen unangenehmen, vielleicht brennenden, Geschmack signalisiert, dass uns dieses Pflanzenstück nicht gut tut. Wir achten auf unser Gefühl im Mund, auf den Geschmack und auf den Nachgeschmack und brechen unsere Geschmacksprobe ab, sobald wir unangenehme Signale bekommen.

Zweifeln wir daran, ob eine Pflanze gut für uns ist, lassen wir sie lieber stehen. Zusammen mit einer generellen Vorsicht und unseren Büchern haben wir mit alledem eine Herangehensweise, mit der wir uns auf der sicheren Seite fühlen können.

Und dann esse ich die ganze Wiese auf?

Eigentlich ist die Einteilung in giftige und ungiftige Pflanzen etwas zu zweidimensional. Auch für essbare Wildpflanzen gilt — wie bei jedem Nahrungsmittel — dass eine gewisse Dosis ein Gift macht.

Überlegen wir uns mal, warum manche Pflanzen giftig sind… Pflanzen können nicht davonlaufen und sind jedem, der sie gerne schnabulieren möchte (ob Waldtieren oder grünkulinarischen Spaziergängern wie uns) hilflos ausgeliefert. Clever, wer sich in so einer Situation einfach ungenießbar oder schädlich macht und damit die gierigen Esser von sich fern hält! Giftstoffe sind Schutzstoffe der Pflanze.

Die Giftstoffe derjenigen Pflanzen, die wir als Giftpflanzen bezeichnen, wirken bei uns Menschen so stark, dass wir uns von diesen Pflanzen gänzlich fern halten sollten. Es gibt aber auch Pflanzen, die zuträglich für unsere Ernährung sind und gleichzeitig Schutzstoffe enthalten, die uns in höherer Dosis schaden können — ein Beispiel ist der Löwenzahn: Er unterstützt einerseits unsere Verdauung, enthält aber auch Oxalsäure, die in größeren Mengen die Bildung von Nierensteinen unterstützen kann.

Auch ist es möglich, dass die sonst gesundheitsförderlichen Inhaltsstoffe einer Pflanze in höheren Dosen zu Nebenwirkungen führen.

Solche Pflanzen sind damit noch keine akute Gefahr für uns und wir sollten keinen Grund sehen, sie ganz zu meiden. Es bietet sich aber an, unserem Geschmack beim Essen von Wildpflanzen eine besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Ich kann euch sehr zu der Erfahrung ermutigen, einmal all euer Bewusstsein auf euren Geschmack zu lenken. Ich konnte dabei (auch fernab von Wildpflanzen) erleben, dass ein Lebensmittel zu Beginn des Essens ganz intensiv, lecker und unheimlich interessant schmeckt. Esse ich weiter und weiter, wird der Geschmack immer langweiliger, manchmal unangenehm.

Laut meinem Buch zur Rohkosternährung³ signalisiert mein Körper mir damit, dass er von den Inhaltsstoffen des Lebensmittels genug hat oder dass ich jetzt langsam die Toleranzschwelle für schädliche Inhaltsstoffe überschreite. Ich bin mir sicher, dass an dieser Aussage etwas dran ist — schwierig wird das aber zum Beispiel bei Bitterstoffen, die von vielen von uns als unangenehm wahr genommen werden dürften, derer manche aber durchaus gesund für uns sind.

Junge Blätter, alte Blätter

Himbeerblätter

Mein Highlight: Himbeerblätter

Eine wesentliche Rolle für uns spielt auch das Alter der Blätter. Meist wird geraten, bevorzugt junge Blätter auszuwählen. Dafür gibt es mehrere Gründe, die sich darauf zurückführen lassen, dass ein Blatt mit wachsendem Alter stabiler und weniger verletzlich wird.

Zum einen erhält ein Blatt beim Altern mehr und mehr Stabilität durch eine höhere Ausbildung von Zellulose, dem Hauptbestandteil pflanzlicher Zellwände⁵. Diese Zellulose gibt dem Blatt zum einen schon allgemeine Stärke, wird aber auch zusätzlich noch zur Bildung von weiter stabilisierenden Blattfasern verwendet. Das beides bringt Geschmacksstoffe mit sich und wird von den meisten von uns als ein unangenehmes Kaugefühl empfunden. Junge Blätter sind dagegen angenehm zart und weich.

Zum anderen haben ältere Blätter in der Regel mehr Schutzstoffe zum Schutz vor Grünfressern ausgebildet — und sind damit reicher an Schadstoffen für uns. Der Gehalt an Oxalsäure soll in den jungen Blättern des Löwenzahns weit geringer als in den alten sein.

Allerdings ist das etwas, das eigentlich in Proportion gesehen werden müsste. Vielleicht ist gleichzeitig die Wachstumrate der gesunden Inhaltsstoffe ja ein Vielfaches der Wachstumsrate der Schutzstoffe? Es wäre interessant, das mal nachzuforschen… Es bleibt aber, dass ältere Blätter bei unserem Geschmackstest in der Regel weit schneller durchfallen.

Die richtigen Orte zum Kräutersammeln

Es ist eine Charakteristik der Natur, dass jede Lebensraumnische einmal von ihr gefüllt wird. Essbare Pflanzen finden wir fast überall: an Wegen, Bächen, Wiesen, Wäldern, Mauern, im Gebirge, … Als Einsteiger werden wir voraussichtlich an egal welchem Fleckchen Natur erstmal genug zu entdecken haben. Statt der Frage, welche Orte gut sind, sollten wir uns lieber fragen, welche Orte ungeeignet sind.

Die meisten der Orte, die wir vermeiden sollten, einen sich in einem Merkmal: Schadstoffe. Klassiker, denen wir hier aus dem Weg gehen wollen, sind Pflanzen an stärker befahrenen Straßen, auf gedüngten Flächen, an verschmutzten Gewässern. Die in meinen Augen größte Schwierigkeit machen Hunde — schließlich möchten besonders auch Menschlein mit ihren Hundefreunden die unberührte Natur besuchen. Spazierwegränder und Hundewiesen sollte man meiden.

Andere Orte, um die wir einen Bogen machen sollten, sind gerade die Versuche der Gesellschaft, eine Natur mit möglichst wenig Schadstoffen zu bewahren: Naturschutzgebiete. Rechtlich und aus gutem Grunde ist das Pflanzensammeln hier verboten. Außerdem gibt es Pflanzen, die unter Artenschutz stehen. Auch das sollte in einem Bestimmungsbuch erwähnt sein.

Daneben gibt es noch weitere rechtliche Einschränkungen unserer Grundbesitzgesellschaft, die ich in ihrer einschränkenden Wirkung für politisch fragwürdig halte und hier nicht thematisieren will. Einen Artikel mit weiteren Informationen findet ihr im Quellenverzeichnis meines Artikels⁶.

Der richtige Umgang mit der Natur

Egal ob Naturschutzgebiet oder nicht, ist es natürlich nicht unser Ziel, eine verwüstete Natur zu hinterlassen. Unsere Spaziergänge abseits von Wegen sollten wir mit achtsamer und wertschätzender Haltung machen (:

Neben der selbstverständlichen Achtsamkeit können wir vor allem beim Pflücken der Pflanze auch ein Bewusstsein haben, wie wir möglichst wenig Schaden anrichten. Muss ich die gesamte Pflanze aus dem Boden reißen und zerstückeln oder reicht es mir, mich zu Bücken und einige Blätter abzupflücken?

Waldmeistermeer

Reichliches Angebot: ein Waldmeistermeer

Lieb ist auch, darauf zu achten, wie die Pflanze in unserem Spaziergebiet vertreten ist. Wächst sie in Massen oder haben wir sie hier auf einsamem Posten gefunden? Dem einzelnen Pflänzchen möchten wir vielleicht lieber seinen Raum lassen, sich in Zukunft zu vermehren (:

Was bringen mir die Pflanzengruppen?

Wenn sich unser kognitives Netz an erkannten Wildpflanzen weitet, lohnt es sich bald, zu unseren Pflanzen auch einen Blick auf die jeweilige Pflanzengruppe zu werfen. Der Grund dafür ist naheliegend: Pflanzen aus der gleichen Pflanzengruppe teilen gemeinsame Eigenschaften. Sonst würde man sie schließlich nicht zu einer Gruppe zusammenfassen (;

Bei manchen Pflanzengruppen ist die geteilte Eigenschaft zum Beispiel ein Merkmal im Aussehen (Doldenblütler, Dolde), bei wieder anderen ist es ein typischer Geschmack (Kreuzblütler, Senfgeschmack), bei nochmal anderen ein besonderer gesundheitlicher Wirkstoff (Korbblütler, Inulin).

Das alles deutet darauf hin, dass wir durch die Kenntnis der Pflanzengruppe wunderbare Bezüge herstellen, viel schneller lernen und uns das Reich der Wildpflanzen leichter erschließen können.

An dieser Stelle sei zur Vorsicht noch erwähnt, dass Giftpflanzen keine eigene Pflanzengruppe sind (; Soll heißen: Aus der Tatsache, dass wir eine bekömmliche Pflanze einer Pflanzengruppe kennen, können wir nicht schließen, dass alle Pflanzen dieser Pflanzengruppe ungiftig sind.

Nebenwirkungen

Zuletzt möchte ich euch noch eindringlich warnen! Einmal mit dem Wildpflanzensammeln angefangen, neigt man zur Krankheit, auf jedem Fußweg nach unten zu schauen und zu sehen, ob man da nicht ein interessantes Pflänzchen entdeckt. Das kann zu Nackenschmerzen, sozialer Abwesenheit und Verkehrsunfällen führen!!

Zum Glück gibt es dafür ganz einfache Lösungen: Lernt ein paar essbare Bäume kennen (da wandert der Blick nach oben), quatscht eure Mitspazierer erbarmungslos zu essbaren Wildpflanzen voll und geht keinen Fußweg mehr ohne Helm (;

In diesem Sinne, viel Spaß! Es würde mich freuen, wenn ihr ein Kommentar hinterlasst, in dem ihr von euren eigenen Erfahrungen mit dem Kräutersammeln (ob schon gemacht oder bald erst auf euch zukommend) schreibt…

 

Verwendete Quellen:

[1] rki.de – Infektionsepidemologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2013
[2] ndr.de – Radio-Visite: Risiko Fuchsbandwurm
[3] Das große Rohkost-Buch. Grundlagen und Praxisanleitungen für eine erfolgreiche Ernährungsumstellung. Von Angelika Fischer. Oberstdorf, 2012.
[4] heilkraeuter.de – Giftpflanzen. Kurzfassung
[5] wikipedia.de – Cellulose
[6] wildfind.com – Sammeln von Wildpflanzen: Darf man das überhaupt?
[7] wikipedia.de – Fuchsbandwurm
[8] apotheken-umschau.de – Fuchsbandwurm: Keine Angst vor Waldbeeren

 

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2 Comments

  1. PingbackDie Brennnessel Teil 1/2: Pflanzenkunde - vegankitchenlab

  2. Informativ, unterhaltsam und locker geschrieben. Habe hier einiges interessantes gelesen und werde wiederkommen. Ich selbst pflücke nur die Pflanzen bzw. Blätter und Blüten, die ich gut kenne und deren Standort mir akzeptabel erscheint. Möchte mein Wissen aber gerne erweitern und damit auch neue Geschmackserlebnisse.

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