Moldy Temp’e’tation: Tempeh

Selbstgemachter Tempeh

Gleich raus damit: Tempeh ist geil! Tempeh ist ähnlich vielseitig einsetzbar wie Tofu — hat aber mehr Eigengeschmack und diese ganz eigene, feste und doch weiche, Konsistenz, die mir noch viel lieber ist. Nicht anders als Tofu hat Tempeh es mit einem Eiweißgehalt von 20% und hohem Lysingehalt ernährungsphysiologisch zudem in sich.

Leider ist Tempeh wirklich selten auf meinem Teller zu finden. Die Biomarktpreise für Tempeh sind ordentlich und bei Tempeh aus dem Asialaden argwöhne ich stark, wo die verwendeten Sojabohnen wohl herkommen… Jetzt wollte ich ausprobieren, ob man Tempeh nicht auch selbst machen kann.

Und das geht wunderbar! Hier möchte ich euch die Herstellung vorstellen. Gleich vornweg: Das erste Mal Tempeh herzustellen kann etwas aufwendiger sein, weil man gegebenenfalls ein paar Dinge organisieren und ausprobieren muss. Wenn man die beim zweiten Mal aber bereits hat, scheint mir der Prozess nicht übermäßig anstrengend.

Tempehfermentation

Was ist Tempeh eigentlich? In kurz: Tempeh entsteht aus Getreide und/oder Hülsenfrüchten, auf denen ein Schimmelpilzgeflecht aus bestimmten Rhizopus-Schimmelpilzen wächst. Yeay, das klingt nach Fermentation! Der Tempeh, den wir aus dem Biomarktsortiment kennen, ist aus Sojabohnen.

Während der Fermentation bindet das wachsende Schimmelpilzgeflecht die Sojabohnen zu einem Ganzen zusammen und sorgt für die tolle Konsistenz des Tempeh.

Außerdem findet eine Vorverdauung statt. Eigentlich werden Sojabohnen bis zu sechs Stunden gekocht — um aus Sojabohnen Tempeh zu machen, reichen schon 30-45 Minuten. Das spart zum einen Zeit und Energie, zum anderen erhalten wir so Inhaltsstoffe, die beim Kochen sonst reduziert werden würden.

Wie das der Sauerteig beim Roggen tut, so wird auch bei der Tempehfermentation die in den Sojabohnen enthaltene Phytase in Gang gesetzt, die die Mineralstoffe der Sojabohne verwertbarer für uns macht.

Wie stellen wir Tempeh nun her? Bei einer gezielten Fermentation geht es immer darum, Umgebungen zu schaffen, die unsere erwünschten Bakterien oder Pilze begünstigen und unerwünschte Bakterien fernhalten. Der Rhizopuspilz, der unsere Sojabohnen erobern soll, hat erstmal drei Ansprüche: Luft, Feuchtigkeit und Wärme.

Der vierte Anspruch lautet „aber von allem nicht zu viel„: Zu viel Luft trocknet den Tempeh aus. Zu viel Feuchtigkeit begünstigt unerwünschte Bakterien. Zu viel Wärme tötet unseren Schimmelpilz ab.

Die passende Umgebung

Um dem Rhizopuspilz eine solche Umgebung bieten zu können, brauchen wir eine Inkubationskammer. Wieder etwas Neues anschaffen? Nun – jaein. Mögliche Inkubationskammern lauern überall. Letztlich braucht man „nur“ eine lebensmittelfreundliche Box (ein alter Kühlschrank, ein Aquarium, …), eine Wärmequelle (eine Glühbirne) und Spaß am Basteln.

In der Regel müssen wir aber gar nicht so weit gehen, da wir alle eine wunderbare Inkubationskammer zuhause haben: unseren Backofen. Tempeh fermentiert sich am besten bei Temperaturen um 29-33°C. Viele Backöfen halten diese Temperatur recht konstant, wenn nur die Ofenlampe angeschaltet ist. Testet das mal an eurem Ofen aus — wenn das der Fall ist, seid ihr die absoluten Gewinner und könnt die kommenden zwei Absätze überspringen.

Wenn nicht, geht es euch wie mir armem Kerl. Leider war deshalb noch etwas mehr Tamtam nötig. Ihr könnt euren Ofen gründlich untersuchen, ob ihr nicht irgendwo etwas isolieren könnt oder ob es vielleicht reicht, die Birne auszutauschen. Bei mir half das alles nichts — ich musste basteln.

Tempeh Inkubationskammer

Meine Inkubationskammer

Meine Lösung seht ihr rechts. Sie besteht aus folgenden Bestandteilen:

  • Eine Lampe, die Wärme erzeugt (bei mir der untere Teil einer Lavalampe),
  • Eine Thermostatsteckdose, die die Lampe ausschaltet, sobald es zu warm wird — und wieder anschaltet, sobald es zu kalt wird.
  • Ein Verlängerungskabel, das durch den Ofentürschlitz passt.
  • Eine kleine, platzsparende Auflaufform, die mit Wasser gefüllt und über der Birne platziert wird, damit die Wärme gleichmäßig diffundiert.

Wärme haben wir damit sichergestellt. Luft gibt es in unserem Backofen ebenfalls. Zuletzt müssen wir noch dafür sorgen, dass die Luft den Tempeh nicht austrocknet. Das tun wir, indem wir den zukünftigen Tempeh in gelöcherten Gefrierbeuteln oder Zippern verpacken. Damit bleibt die Feuchtigkeit größtenteils im Tempeh und gleichzeitig ist eine Luftzirkulation durch die Löcher möglich.

Tempeh stammt aus Indonesien. Dort verwendet man traditionell die durch ihre Größe, Glätte und Unschädlichkeit wunderbar geeigneten Bananenblätter. Man müsste sich mal in unseren Breiten umsehen, ob man große Blätter findet, die man stattdessen verwenden könnte — weniger Plastikmüll und so…

Equipment zum Tempehmachen

Wir haben uns also ein wenig Gedanken gemacht und festgestellt, dass eine Inkubationskammer für uns kein Hindernis darstellt. Damit sollte es keine größeren Hürden mehr geben. Für unseren Tempeh brauchen wir:

  • Eine Inkubationskammer (siehe voriges Kapitel),
  • Gefrierbeutel oder (besser!) Ziptüten,
  • 600g Sojabohnen,
  • 6EL Essig,
  • Tempeh-Starter (nach Herstellerangaben, ~5g / 1TL)

„Inkubationskammer? Check!, Gefrierbeutel? Check!, Sojabohnen? Check!, Essig? Check!, Tempeh-Starter??! Was ist nun das bitte?“

Man kann zwei wesentliche Arten von Fermentation unterscheiden: Spontane Fermentation und kultivierte Fermentation. Bei der klassischen Sauerkrautherstellung, die auf der Basis von Milchsäurebakterien geschieht, spricht man beispielsweise von einer spontanen Fermentation, weil die Milchsäurebakterien von Natur aus auf dem Kohl vorhanden sind und man ihnen nurnoch eine passende Umgebung schaffen muss.

Bei einer kultivierten Fermentation werden die Kleinstlebewesen von uns hinzugegeben — sei es, weil wir wollen, dass die Fermentation schneller abläuft oder sei es, weil die Kleinstlebewesen sonst garnicht in unserem Gemisch vorhanden sind. Die Bakterien, oder in diesem Falle Sporen, die man auf das Fermentationsgut gibt, nennt man Starter.

Die Tempehherstellung ist eine kultivierte Fermentation: Rhizopus-Schimmelpilze schwirren in unseren Breiten weder in der Luft, noch sind sie auf den gekauften Sojabohnen zu finden. Wir müssen uns also einen pulverförmigen Starter organisieren.

Dieser Gedanke ist unbefriedigend. Fermentation ist doch eigentlich ein so schönes Selbstversorgerthema. Kann man den Schimmelpilz nicht wie eine Sauerteigkultur von Generation zu Generation am Leben erhalten? Dann müsste man nur einmalig einen Starter bestellen und wäre ab dann unabhängig… Ja, man kann das tun – allerdings begrenzter und schwerer als beim Sauerteig. Am Ende dieses Artikels schreibe ich ein Wenig dazu.

Tempeh-Starter bekommt ihr über’s Internet. Aus Deutschland habe ich (auf die Schnelle) leider nur einen Makrobiotik-Shop gefunden, der mir bei Kontaktaufnahme unangenehm unfreundlich begegnet ist. Muss ja nicht sein – also habe ich den Starter letztendlich von einer schnuckligen Seite² aus Belgien bestellt — das ging recht schnell und war durchaus unkompliziert.

Die Sojabohnen vorbereiten

Guuut! Die Inkubationskammer ist startklar, die Zutaten sind besorgt — wir wollen loslegen. Zuerst weichen wir die Sojabohnen für 16-24 Stunden in 2 Liter Wasser ein.

Sojabohne HülseSojabohnen sind Hülsenfrüchte, ihr Äußeres ist geschützt von einem dünnen Schälchen. Nach dem Einweichen müssen wir dieses Schälchen lösen, da es den Pilz davon abhält, ans Innere der Sojabohnen zu gelangen. Dazu kneten wir die Sojabohnen ordentlich — so, dass sie in zwei Hälften zerfallen. Die Hüllen gehen dabei von alleine ab.

Wenn ihr wollt, könnt ihr die Hüllen entfernen. Mir wäre das zu doof, ich habe sie in der Mische gelassen.

Der nächste Schritt ist es, die Sojabohnen zu kochen. Dazu gießen wir das Einweichwasser ab, geben die Sojabohnen in einen Topf, bedecken sie mit Wasser und geben den Essig dazu. Je nachdem, wie lange unsere Inkubationskammer braucht, um die gewünschte Wärme zu erzeugen, schalten wir sie jetzt oder zu einem der folgenden Schritten schon einmal an.

In Ländern wie Indonesien ist die Umgebungstemperatur ein wenig wärmer. Bei größerer Wärme reicht die Einweichzeit von ein bis zwei Tagen aus, dass in den angesetzten Sojabohnen bereits Milchsäurebakterien zu werkeln beginnen. Die Milchsäurebakterien selbst sterben zwar beim Kochen ab, erzeugen zuvor aber sie eine saure Umgebung. Die Säure wird im angesetzten Tempeh zum Schutz vor unerwünschten Bakterien beitragen. Das „simulieren“ wir hier, indem wir Essig ins Kochwasser geben.

Wir kochen also die Sojabohnen auf und lassen sie eine Weile köcheln. Wie lange? Für 30-45 Minuten — die Sojabohnen sollten gut essbar sein, aber weiterhin Festigkeit besitzen. Unsere Fermentation benötigt Sauerstoff — würden wir die Sojabohnen zu weich kochen und dann gut verpacken, drücken sie sich leichter aneinander und schließen damit die Innenräume, in denen dann keine Luft mehr zirkulieren kann.

Wenn die Sojabohnen fertig gekocht sind, gießen wir das Wasser ab. Im Inneren der Bohnen haben wir jetzt genug Feuchtigkeit — die Feuchtigkeit auf der Oberfläche ist eher schon zu viel des Guten und würde andere Bakterien einladen. Deshalb trocknen wir die Sojabohnen.

Ein Fön soll sich dazu gut eignen. Ein Küchentuch geht ebenfalls. Ich habe die Sojabohnen nach Anleitung des Starterlieferanten nochmal in den jetzt trockenen Topf geschmissen und unter stetigem Rühren getrocknet.

Die Sojabohnen ansetzen

Als nächstes geben wir den Starter zu unseren Sojabohnen. Dazu müssen wir die Bohnen unbedingt zuerst abkühlen lassen, da die Pilzkulturen bei Temperaturen ab 36°C in ihrer Leistung nachlassen und anfangen, abzusterben. Es bietet sich aber an, die Bohnen nicht vollständig abkühlen zu lassen sondern den Starter bei 30-35°C dazu zu geben. Dann haben wir gleich eine Initialwärme.

Nachdem wir den Starter drübergegeben haben, rühren wir ihn unter die Sojabohnen. Wir rühren gründliche ein, zwei Minuten lang, damit sich der Starter auch wirklich gut verteilt.

Damit ist alles bereit zum Abpacken. Hier müssen wir darauf achten, den Tempeh nicht zu dick vorzuformen. Je größer unser Klumpen, desto schwieriger fällt es der Luft, alles zu durchdringen. Ich habe von einem Maximum von 3cm gelesen. Ziptüten können wir einfach befüllen und schließen. Ich musste auf Gefrierbeutel ausweichen — da war das Schließen etwas schwieriger.

Vier Batzen selbst angesetzten TempehsEigentlich wollte ich die Tüten zutackern. Als es darauf ankam, hat mein Tacker nur leider sein wahres Ich als Billigfabrikprodukt enthüllt. Also musste ich improvisieren… Büroklammern haben sich als untauglich erwiesen. Letztlich habe ich in einer gefühlten Nacht-und-Nebel-Aktion Holzspieße durch die Tüten gefädelt.

Jetzt nurnoch die Tüten mit einer dickeren Nadel in einem Abstand von etwa einem Zentimeter löchern, nochmal vorsichtig große Lufträume aus unseren Tüten pressen und den Tempeh in unsere Inkubationskammer packen. Als Ablage nehmen wir ein Ofengitter, weil dort die Luft auch an der Aufliegefläche zirkulieren kann.
 

Während der Fermentation

Meine Tempeh-InkubationskammerNun folgt die schöne Phase, an dem die meiste Arbeit gemacht ist und man sich fast nurnoch zurückzulehnen braucht: Der Ansatz fermentiert fröhlich vor sich hin und wir müssen lediglich gelegentliche Kontrollblicke und Eingriffe tätigen. Zwei Tage später haben wir unseren eigenen Tempeh (:

Nach einem halben bis dreiviertel Tag fängt der Schimmelpilz an, selbst Hitze zu produzieren. Das kann gefährlich werden, falls damit Temperaturen erreicht werden, die den Pilz abtöten. Wir müssen die Temperatur deshalb mit einem Thermometer im Auge behalten. Selbst ich, der ich mit einem Thermostat arbeite, durfte überrascht feststellen, dass die Temperatur plötzlich auf 36°C gestiegen war. Wenn wir beobachten, dass die Hitze über 34°C steigt, öffnen wir die Ofentür einen kleinen Spalt.

Tempeh Entwicklung

20 Std./36 Std.

Bereits nach 24 Stunden hatte sich das Pilzgeflecht sichtbar über die Oberfläche meines Tempehs erstreckt. Im Bild links seht ihr, dass sich äußerlich in den letzten Stunden nicht mehr allzu viel verändert.

Es gibt keinen fest definierten Punkt, wann der Tempeh reif ist. In der Literatur findet sich oft der Zeitpunkt, ab dem an den Luftlöchern schwarze Stellen entstehen. Bei mir ist das nach zwei Tagen noch immer nicht der Fall gewesen, da habe ich einfach „vorzeitig“ aufgehört.

Die schwarzen Stellen sind die Sporen des Rhizopuspilzes, der sich jetzt vermehren möchte. Dort steckt unser Ansatzpunkt, wenn wir unseren eigenen Starter weiterkultivieren möchten. Die Sporen sind harmlos — wir können den Tempeh auch weiter schwarz werden lassen. Sein Aroma intensiviert sich dann.

Lagerung und Haltbarkeit von Tempeh

Wenn wir beschlossen haben, dass unser Tempeh fertig ist, nehmen wir ihn aus dem Ofen. Wir können den Tempeh genießen wie er ist, wir können ihn gleich weiterverarbeiten oder wir können ihn kühl lagern.

Während unser Tempeh runterkühlt — und selbst bei Kühlschranktemperaturen — fährt die Fermentation fort. Der Tempeh produziert also weiterhin Eigenwärme. Es bietet sich deshalb an, den Tempeh nicht zu stapeln, damit sich keine Wärme an der Verbindungsfläche der beiden Tempehkuchen staut und die Fermentation weiter befeuert.

Frischer Tempeh hält sich so fünf Tage lang. Wir können Tempeh problemlos auch tiefkühlen — es ist also gar kein Problem, gleich größere Mengen herzustellen. Auch in der Tiefkühltruhe gilt: Besser erst stapeln, sobald die Tempehkuchen wirklich gefroren sind.

Eigener Tempehstarter

Tempeh Sporen

sichtbare Rhizopussporen

Mein Versuch, den Tempeh sporen zu lassen, hat zwar zu einem Produkt geführt, lief aber alles in allem nicht wirklich gut und lässt mir Unsicherheit, ob mein Starter denn was taugt. Es hat sich herausgestellt, dass da doch einiges herumzuprobieren ist. Dafür fehlt mir leider gerade die Zeit.

Bevor ich den Prozess jetzt in unfertigen Halbwahrheiten aufschreibe, ist es vielleicht besser, es bei einem kurzen Überblick zu belassen und euch Quellen an die Hand zu geben, in denen ihr dazu lesen könnt.

Es ist kein Zufall, dass zuerst die Umgebung um die löchrigen Stellen in unseren Ziptüten schwarz werden (sollten): Dort herrscht die meiste Trockenheit und Trockenheit begünstigt die Sporenbildung. Das Prinzip wäre jetzt also, den Tempeh weiter zu inkubieren und dabei möglichst viel Oberfläche der Luft auszusetzen. Es gibt verschiedene Wege, die Sporen dann zu lagern. In den Quellen findet ihr einiges dazu.

Was ich traurigerweise feststellen durfte ist, dass einige angebotene Starterkulturen nur sehr schwer Sporen ausbilden. Aus Händlersicht ist das klar: Fangen die Kunden an, die Kultur selbst fortzupflanzen, sind sie keine Kunden mehr. Das erklärt wohl auch, warum mein Tempeh nach zwei Tagen noch immer keine schwarzen Stellen hatte. Das obige Foto ist nach ganzen vier Tagen entstanden.

Das allgemeine Problem beim stetigen Fortpflanzen des Rhizopus-Pilzes ist, dass der Rhizopus-Pilz — ganz anders als eine Sauerteigkultur in ihrer sauren Umgebung — keinen wesentlichen Schutz bildet, der andere Bakterien von ihm fern hält. Die Kultur wird also von Generation zu Generation schwächer, da immer mehr andere Bakterien und immer weniger Rhizopussporen in ihr enthalten sind. Deshalb gilt: Je steriler wir arbeiten, desto kräftiger sollte unsere Kultur bleiben.

Quellen zum Startermachen: Zum einen das wundervolle The Art Of Fermentation von Sandor Ellix Katz¹. Außerdem soll das Book of Tempeh von William Shurtleff und Akiko Aoyagi ausführlichste Infos zu Tempeh haben (ich selbst habe es leider noch nicht). Für den rein praktischen Erfolg finden sich gewiss auch Anleitungen über Google, z.B. hier, hier oder hier.

Bitte berichtet, falls ihr euch daran versucht! (:

Lohnt sich’s denn?

Den Tempehpilz einmal im eigenen Ofen wachsen zu sehen, macht ziemlich viel Spaß. Es bleibt die große Frage, ob sich das Selbermachen von Tempeh auch auf einer regelmäßigen Basis lohnt… Ich meine: Wenn man die Zeit dafür aufbringen kann, dann auf jeden Fall!

Rein finanziell ist die Sache klar entschieden: Rechne ich (unfairerweise) nur meine Kosten für die Zutaten, komme ich auf ein Preis-Mengen-Verhältnis von ~4€ für einen Kilo Tempeh (fast die Hälfte der Kosten sind für den Starter angefallen). Zum Vergleich: Ein Tempeh, den es in einem veganen Onlineshop gibt, liegt bei hochgerechnet 21,45€/kg.

Und zeitlich? Nuja, da muss man natürlich sehen, ob es das einem Wert ist. Sicher ist es viel Tamtam — ich kann mir aber vorstellen, dass man den Aufwand auch leicht überschätzt. Ich würde die aktive Arbeitszeit am Tag des Ansetzens auf ~2 Stunden schätzen. Mit Tiefkühler spricht dann überhaupt nichts dagegen, große Mengen zu machen und erst in ferner Zukunft wieder Tempeh herstellen zu „müssen“.

Zum Abschluss noch das Rezept in Kurzform:

Selbstgemachter Tempeh

Selbstgemachter Tempeh

Wir brauchen:

  • Eine Inkubationskammer
  • Ziptüten
  • 600g Sojabohnen
  • 6EL Essig
  • 1TL Tempeh-Starter

Und so wird's gemacht:

  1. Am Vortag geben wir die Sojabohnen zusammen mit zwei Litern Wasser in einen Kochtopf, um sie für die nächsten 24 Stunden einweichen zu lassen.
  2. Die eingeweichten Sojabohnen kneten wir am nächsten Tag so, dass sie in grobe Stücke zerfallen und sich von ihrer Hülle trennen.
  3. Jetzt kochen wir die Sojabohnen zusammen mit dem Essig auf und lassen sie für 45 weitere Minuten köcheln. Währenddessen setzen wir die Inkubationskammer schonmal in Betrieb.
  4. Sind die Bohnen fertig gekocht, schütten wir das Kochwasser ab, trocknen sie (z.B. mit einem Fön oder einem Handtuch) und lassen sie abkühlen.
  5. Haben die Bohnen eine Temperatur von 34°C erreicht, vermischen wir gründlich die Sojabohnen und den Starter.
  6. Jetzt werden die Zipper befüllt, verschlossen, mit einer dicken Nadel perforiert und in die Inkubationskammer gegeben.
  7. Nach 48 Stunden ist der Tempeh fertig. Bis dahin müssen wir lediglich ab und an kontrollieren, dass die Temperatur innerhalb der Kammer zwischen 29 und 34°C bleibt. Der Tempeh fängt nach einem halben Tag an, selbst Hitze zu produzieren. Gegebenenfalls müssen wir die Inkubationskammer dann einen Spalt breit öffnen.
  8. Was wir innerhalb der nächsten fünf Tage verbrauchen, kommt in den Kühlschrank. Der Rest in die Tiefkühltruhe. Bis zur Erkaltung nicht stapeln!
http://vegankitchenlab.de/moldy-tempetation-tempeh/

 

Verwendete Quellen:

[1] The Art Of Fermentation. An in-depth exploration of essential concepts and processes from around the world. Von Sandor Ellix Katz. Vermont, 2012.
[2] tempeh.info – How to make tempeh
[3] tempeh.info – Incubation temperature
[4] makethebesttempeh.org – Home made Tempeh Culture (Tempeh Starter)
[5] wildfermentation.com – Sporulating tempeh starter?
[6] reddit.com – Rhizopus oligosporus (tempeh starter) questions
[7] sev.lternet.edu – DIY Tempeh

 

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11 Comments

  1. PingbackSojabohnen mit Mehrwert – Tempeh selbst machen oder kaufen? | Portionsdiät

  2. Eine sehr schöne Anleitung ! Vielen Dank! Nur hast du eine Alternative für das Plastk? Ob auch ein Geschirrhandtuch geht?.ich möchte kein Plastk zerlőchern und dann es noch Wärme aussetzen. .

  3. Hey Kerstin,

    eine Plastikalternative wollte ich mir hier auch irgendwann nochmal überlegen, allerdings habe ich mich bis jetzt nicht darum gekümmert…

    Ich denke, ein Geschirrhandtuch wird zu luftdurchlässig sein. Ich würde schätzen, dass der Tempeh dann eher austrocknet oder zu schnell Sporen bildet.

    In Indonesien wird Tempeh ja in Bananenblätter eingewickelt. Ich meine neulich erzählt bekommen zu haben, dass es die teilweise auch in Asialäden zu finden gibt. Gerade mal gegoogled: Bestellen kann mensch die auch…

    Auch schön wären wohl selbstgepflückte Wildpflanzenblätter. Ich wollte hier mal die Augen offen halten, was für größere Blätter sich hier so finden lassen. Ich nehme mal an, die müssten allerdings etwas dickhäutiger sein, damit sie nicht einfach labbelig werden und eintrocknen.

  4. Hallo Kerstin,

    sehr schöner Beitrag! Hast Du Erfahrung mit der Herstellung von Black Oncom das ist lt meinen Recherchen der Name für Tempeh aus Okara? Da würde ich mich gerne mal ran wagen, bin mir aber nicht sicher welchen Starter ich dazu brauche.

    • Entschuldige bitte, dass muss natürlich Nico heißen :-/

    • Huhu Meli (:

      Öööh, „Black Oncom“? *schnell eine Suchmaschine anschmeiß* Bisher noch nicht gehört… das ist nun das erste Fermentationsgut, das ich im Buch von Katz nicht finden konnte.

      Laut der englischen Wikipedia wird Black Oncom jedenfalls von „Rhizopus oligosporus“ fermentiert – das wären genau die Pilze, die mensch auch für Tempeh verwendet.

  5. Hallo, hast du das ganze mal mit Lupinenbohnen versucht?

    • Huhu Daniel,

      ja, ich habe jetzt tatsächlich schon mehrfach Lupinentempeh gemacht. Leider… wird er nicht wirklich gut: Die Lupinenbohnen und ihre Hülse sind wirklich sehr hart; beim Kneten der Bohnen ist es z.B. selbst nach 2 Tagen Einweichen sehr schwierig bis unmöglich, die Hülsen zu entfernen. Ich habe die Bohnen dann nach dem Kochen grob püriert, allerdings scheint mir auch dann die Hülse, die sich ablöst und dazwischen ist, wie eine sehr trockene Schale, die irgendwie hinderlich ist. Beim Fermentieren zieht sich dann der Pilz nicht sonderlich gut durch die Bohnen…

      Klappte also alles in allem nicht so toll bei mir. Es gibt allerdings guten Lupinentempeh zu kaufen; irgendwie muss das also möglich sein! Gegebenenfalls habe ich eine ungeeignete Lupinensorte erwischt…

      Hast du schon herumprobiert?

  6. Hallo,super informativ:-) danke.
    Ich habe gelesen,dass das in Dörrgeret auch geht.Ich hab ein Infrarot Dörrgerät und da kann ich jede Temperatur und Zeit Länge einstellen.Hast Du auch Link wo man den Starter bestellt? Danke :-):-)
    LG Evita

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