Geschirrspülen nervt! (…?)

Geschirrspülen nervt! Mit meinen vielen Kücheneskapaden habe ich trotz Geschirrspüler beinahe täglich eine Ladung an Geschirr von Hand abzuwaschen… Ein Aufwand, der neben all den anderen Heimarbeiten auf Dauer ganz schön belasten kann — wer spült schon gerne?

Ein so zehrender Alltagsposten? Geht nicht klar! Es war dringend Zeit, mir einmal Gedanken zu machen, wie ich diesen Kummer reduziert kriege (deshalb auch der Putzmonat). Aber wie? Hier und da konnte ich zwar ein Löffelchen ungespült wieder verwenden, wesentlich reduziert bekam ich das Töpfe-, Schüsseln- und Geschirraufkommen allerdings nicht…

… also brauchte ich einen anderen Ansatzpunkt. Und den fand ich in der Frage „Wer spült schon gerne?“.

Warum spüle ich eigentlich nicht gerne? Da bin ich mal in mich gegangen und habe Gründe entdeckt, gegen die ich mit ein wenig Organisation und Selbstverarschung ganz gut angehen konnte (: Ich muss sagen: Aktuell macht mir das Geschirrspülen regelrecht Spaß! (Langzeitstudie noch nicht vorhanden)

Eine gemütliche Umgebung schaffen

Angefangen habe ich mit basalen Dingen: Welche physischen Unannehmlichkeiten stören mich beim Spülen? Drückt irgendetwas in meinem Körper? Sind meine Hände vom Spülwasser angegriffen? Nervt mich etwas? Es gibt da viele kleine Kümmernisse, die sich durch ein wenig Anpassung der Spülumgebung oft leicht beseitigen lassen. Einige Beispiele:

Ich hatte Rückenschmerzen beim Spülen (vermutlich ein Klassiker). Meine Arbeitsplatte ist für meine Körpergröße schon etwas tief, der Spülenboden dann noch tiefer. Rückenschäden durch’s Geschirrspülen? Nicht gut!

SpülschüsselUm dem Abhilfe zu schaffen, kann mensch die Spüle auf eine höhere Höhe umbauen. Falls mensch diese Möglichkeit nicht hat, tut’s auch eine Spülschüssel. Einfaches Prinzip: Etwas zum Erhöhen der Spülfläche in die Spüle stellen, darauf eine größere Waschschüssel platzieren und dann darin spülen.

Bei einer Spülschüssel muss leider noch die Höhe des Wasserhahns mitspielen… Bei mir war das kein Problem, vielleicht kann Not hier aber erfinderisch machen? Wahrscheinlich ist auch ein neuer Hahn eine Überlegung wert — es geht hier schließlich um unseren Rücken.

Für die plastikfreie Küche kann ich empfehlen, zwecks Spülschüssel mal auf eBay nach einer Emaille-Schüssel Ausschau zu halten.

Abtropfgestell

Abtropfgestell

Ein anderes Beispiel: Schon vor einiger Zeit habe ich mir ein Abtropfgestell besorgt. Bevor ich das hatte, war das Stapeln des gespülten Geschirrs immer ziemlich lästig: Wenig Platz und ein anspruchsvoller Balanceakt, den aufgebaute Geschirrtum nicht zusammenfallen zu lassen.

Mit dem Gestell ist jetzt alles locker: Das Geschirr trocknet in Ruhe und nichts steht im Weg rum. Ich würde sogar so weit gehen, das Abtropfgestell als meine gewinnbringendste Haushaltsinvestition der letzten Jahre zu bezeichnen! (;

Ebenfalls sehr lästig: Dreck, der sich in schmalen Ritzen festsetzt. Mein Pürierstab hat da beispielsweise so eine wunderbare Stelle, in der sich jede Sauce festsetzt :F Die Lösung? Ein zum Rillenreiniger umfunktionierter Rouladenspieß aus Metall — schnell fassbar in der Nähe des Spülbeckens platziert.

An diese Stelle passt dann vielleicht noch ein Hinweis auf ökologisches Spülwerkzeug: Bioveganes Geschirrspülmittel ist selbstverständlich — daneben gibt es noch Spülschwämme aus recyceltem PET und Holzfasern oder Lappen aus Zellulose. Ich möchte mich diesen Monat noch an plastikarmem selbstgemachten Spülmittel versuchen (:

Freiheit und Wertschöpfung beim Geschirrspülen

Ein anderer unliebsamer Aspekt des Geschirrspülens: Geschirrspülen ist Notwendigkeit, Zwang. Ich neige dazu, etwas ungerne zu tun, wenn ich dazu gezwungen bin.

Um das zu lindern, habe ich angefangen, mehr auf die wertschöpfenden Aspekte des Geschirrspülens zu schauen. Spülen ist nämlich eine sehr sinnvolle Arbeit (oha!). „Da, dieser Topf da! Hasse gesehen, wie dreckig der eben noch war? Boah, und jetzt wieder frei für glorreiche Taten!“

Das hilft schonmal — nimmt aber nicht den Zwang. Der lässt sich unter Umständen etwas mindern. Nach dem Essen möchte ich für gewöhnlich gemütlich rumsitzen bzw. -liegen und mag’s überhaupt nicht, da gleich ans Spülen zu denken.

Druckablasskiste

Geschirrspüldruckablasskiste

Ich nutze deshalb meine ehemalige Wäscheschüssel als Behälter für das Dreckgeschirr. Da wandert das benutzte Geschirr erstmal rein und dort kann es zur Not auch ein paar Tage verweilen. Bis dann der Moment der Wahrheit gekommen ist, steht nicht’s im Weg und ich fühle mich nicht bedrängt (:

Vorspülen lasse ich (abgesehen von seltenen Ausnahmefällen) bleiben: Der Wasserverbrauch dabei ist mir einfach zu hoch.

Zeitverlust oder -gewinn?

Der wohl schwerwiegendste Punkt beim Spülen von Hand: Das Spülen ist eine weder geistig noch körperlich fordernde Arbeit, die nicht wenig Zeit kostet.

Wenn mensch nicht gerade Lust auf Spülwettrennen hat und Bestzeiten messen will, ist mir zum Verringern des Zeitaufwandes nicht viel eingefallen. Meine einzige Maßnahme ist hier, das Geschirr (abgesehen von meinen scharfen Messern) nicht von Hand zu trocknen. Auch dafür ist das oben schon vorgestellte Abtropfgestell wunderbar.

Trotzdem brauche ich für das Spülen einer Ladung noch meine 15 bis 20 Minuten… Da führt kein Weg drumherum. Damit aber zu meiner wertvollsten Erkenntnis: Geschirrspülen kostet keine Zeit, Geschirrspülen gibt Zeit!

Ja, ihr habt richtig gelesen. Diese ketzerische Aussage steht da wirklich. Wie so oft, scheint hier alles wieder nur eine Frage der Wahrnehmung zu sein: Statt mir vor Augen zu halten, was ich NICHT tun kann, weil ich jetzt spülen muss, habe ich mir überlegt, was ich alles wertvolles tun kann, während ich spüle!

Obwohl wir beim Spülen keine Hände frei haben und nicht umherlaufen können, haben wir doch noch einige Körperteile unbelegt: Ohren, Hirn, Beine, Mund. Während unserer low-level-Tätigkeit haben wir damit enorm viele Möglichkeiten, Freudiges zu tun. Hier ein paar Ideen:

  • Gedanken. Monotone Arbeit hat etwas Meditatives. Auch das Spülen kann wunderbarer Anlass sein, den Kopf einfach mal abzuschalten oder über Dinge nachzudenken, für die uns der Alltag sonst wenig Zeit lässt. Ich bin mir sicher, dass wir das alle bereits tun und das Spülen dafür noch nicht wertschätzen.
  • Musik. Wenn ich mal wieder den Drang habe, ein bestimmtes Album ganz bewusst zu hören und nicht nur als Hintergrundmusik laufen zu lassen, kombiniere ich das mittlererweile gerne mit „Hintergrundspülen“ (:
  • Bildung. Mein Favorit: Das Internet ist voll mit medialem Input, den wir uns beim Spülen reinziehen können. Wie wär’s mit librivox — eine Webseite, auf der unzählige Bücher mit öffentlicher Lizenz von Freiwilligen gelesen und kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Mal eben neben dem Spülen den Abenteuerlichen Simplicissimus oder das Kommunistische Manifest „lesen“?
  • Telefon. 20 Minuten am Tag spülen? Warum nicht diese Gelegenheit gezielt nutzen, einen der vielen Menschen anzurufen, mit denen sich unsere Wege schon viel zu lange nicht mehr gekreuzt haben?
  • Training. Für Sportsfreunde: Gewichte an die Beine und anheben (;

Soviel zu besseren Arbeitsbedingungen beim Geschirrspülen von Hand! Meine Tips hier sind sicherlich keine großen Weisheiten — ich möchte nur die Kunde bringen: Regelmäßigen unliebsamen Kleinigkeiten einfach mal kreative Gedanken zu widmen kann zu einfacher Erträglichkeitssteigerung führen (:

Vielleicht habt ihr euren Spülprozess auch bereits lebensgekünstelt? Hinterlasst doch ein Kommentar, wie ihr euch das Spülen erträglich macht!

 

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One Comment

  1. noch immer Mama

    Mein lieber Sohn,
    also, wenn ich diesen Bericht so lese solltest du eigentlich doch Psychologie studieren *lach*

    Freu mich auf Dich nächste Woche!
    Mama

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