Die Lupine und ihr Ruf als „heimisches Soja“

Die Süßlupine: Eine Bohne, die mehr und mehr als Alternative zu Soja die Runde macht. Eine Leserin hatte mich angeschrieben, ob ich nicht mal etwas über diese Pflanze schreiben möchte — ein Lupinenmonat? Warum nicht!

Für diesen ersten Artikel habe ich mich mit den Besonderheiten der Lupine auseinandergesetzt — welche botanischen Besonderheiten sie wertvoll machen, welche Inhaltsstoffe sie enthält, was man alles aus ihr machen kann — und dabei vor allem ein Vergleich zu Soja gezogen.

Neben meinen üblichen Recherchen habe ich dazu unter anderem der purvegan GmbH (ihr kennt deren Lupinenprodukte vermutlich aus dem Regal eures Bioladens) einen Besuch abgestattet, um da einige meiner Fragen stellen zu können. Die Menschen dort produzieren sowohl Soja- als auch Lupinenprodukte aus heimisch angebauten Bohnen – und waren damit eine ideale Quelle für meine Gegenüberstellung! (: An dieser Stelle nochmals einen Dank für die Einladung.

Bittere und süße Lupinen

Bittere Lupine am Straßenrand

Bittere Lupine am Straßenrand

Die Lupinen sind eine heimische Pflanzengattung aus der Familie der Hülsenfrüchte. Ursprünglich enthalten Lupinenbohnen größere Mengen von ungenießbaren und giftigen Bitterstoffen (sog. Alkaloiden), weshalb sie früher nur verzehrbar waren, nachdem sie mehrere Tage eingeweicht und dann gekocht worden sind. Das war zum einen aufwendig, zum anderen gingen dabei Nährstoffe verloren.

In den 1930er Jahren konnten erstmals Lupinensorten mit einem sehr geringen Alkaloidgehalt gezüchtet werden — diese Lupinen waren genießbar und kaum bitter, deshalb der Name Süßlupinen. Wenn ich im Folgenden von Lupinen schreibe, meine ich denn auch solche genießbaren Arten.

Mittlererweile gibt es im wesentlichen drei Lupinenarten, die landwirtschaftlich genutzt werden: die blaue, die weiße und die gelbe Lupine. Ich möchte die verschiedenen Arten hier ein wenig über einen Kamm scheren, wenn es da und dort auch Unterschiede zwischen ihnen gibt (z.B. im Fettgehalt).

Die Lupine als Bodenverbesserer

Ökologisch gesehen ist die Lupine wahres Gold wert. Zum einen ist sie sehr anspruchslos, was den Boden angeht — gern wächst sie z.B. auf Sandböden, die sonst für nur wenige andere Pflanzen geeignet sind. Gleichzeitig bereichert sie gleich auf mehrere Arten und Weisen die Bodenqualität für nachfolgende Pflanzen.

Die Lupine besitzt eine Pfahlwurzel. So nennt mensch eine Wurzel, deren Hauptstrang von der Pflanze aus sehr gerade und lang in die Tiefe wächst — wie ein Pfahl eben. Damit gelangt die Lupine an tief im Boden gelegenes Wasser. Von diesem Pfahl gehen dann noch überall kurze Ausläufer ab, die den Boden auflockern und so für zukünftige Besiedlungen leichter durchdringbar machen können.

Darüberhinaus wachsen an den Wurzeln der Lupine kleine Knöllchen, in denen Rhizobium-Bakterien angesiedelt sind. Diese Bakterien gehen mit der Lupine eine wunderbare Symbiose ein: Sie bekommen Kohlenhydrate, Proteine und Mineralstoffe weitergeleitet — und stellen der Pflanze im Gegenzug reichlich Phosphat und Stickstoff zur Verfügung.

Rhizobium-Bakterien haben nämlich die Fähigkeit, wertvolles Phosphat aus dem Boden lösen. Für viele Pflanzen ist Phosphat nur sehr begrenzt verfügbar, weshalb eine üppige Phosphatdüngung in der Landwirtschaft sehr üblich ist. Die Lupine braucht dies garnicht.

Zum anderen haben die Bakterien die Fähigkeit, Stickstoff aus der Luft zu binden und für die Pflanze verwertbar zu machen. Auch Stickstoff ist ein Hauptnährstoff von Pflanzen und wesentlich mitverantwortlich für deren Wachstum. Üblicherweise muss eine Pflanze ihren Stickstoff über Stickstoffverbindungen aus dem Boden beziehen, da sie ein N2-Molekül (Luftstickstoff) selbst nicht aufgetrennt bekommt. Die Lupine mit ihren coolen Rhizobium-Buddies dagegen kann den Stickstoff quasi aus der Luft pumpen.

Sowohl das Phosphat als auch den Stickstoff, organisiert die Lupine in weit größeren Mengen, als sie selbst verbraucht. Die überflüssigen Stickstoff- und Phosphatverbindungen wandern dann in den Boden und stehen zukünftigen Pflanzen zur Verfügung. Das macht die Lupine zu einem exzellenten Gründünger!

Die Lupine und der Sojamythos

Interessant ist jetzt, wie die Lupine mit ihren botanischen Eigenschaften im Vergleich zur Sojabohne zu beurteilen ist. Leider trifft mensch an vielen Stellen, an denen die Lupine beworben wird, auf den verwischenden und immernoch sehr hartnäckig verfestigten Sojamythos: Es wird hingewiesen auf riesige Monokulturen von Gensoja, deren Erträge, nachdem man für sie den Regenwald abgeholzt hat, einmal um die Welt nach Europa geflogen werden — und daneben steht dann die Alternative der heimischen Lupine, die hier schon immer wächst, der sich die Gentechnik noch nicht gewidmet hat und für die der Regenwald in Ruhe gelassen wird.

Nun, es stimmt unweigerlich, dass der Regenwald sehr sehr viel für den Sojaanbau bluten gelassen wird. Der Irrglaube? Das dort produzierte Soja landet nicht in pflanzlichen Lebensmitteln wie Tofu und co sondern wird in Ländern wie Deutschland massenweise an sogenannte „Nutztiere“ verfüttert und wandert damit direkt in die sowieso schon blutige Fleischindustrie.

Wenn mensch nach dem Ursprung unseres (Bio-)Tofus, unserer Sojamilch und co recherchiert, stellt mensch schnell fest: Das dafür verwendete Soja stammt aus europäischer, gentechnikfreier Biolandwirtschaft und wächst in Österreich, Frankreich, am Bodensee oder im Schwarzwald.

Wird für die Lupine als heimische Alternative zu Gensoja aus dem Regenwald geworben, wird also entweder direkt auf diesem Mythos aufgebaut oder die Lupine als Futtermittel für die Tierausbeutungsindustrie angepriesen.

Beides davon kommt in der Praxis zahlreich vor: Die Werbung für die Lupine als Futtermittel ist Bestandteil vieler Papers, auf die ich gestoßen bin… Und der Sojamythos findet sich nicht nur in der Forschungsprojektvorstellung des Deutschen Zukunftspreises, in dem es heißt: „Bislang dominieren Sojabohnen beim Fleischersatz. Doch diese besitzen eine geringe Akzeptanz bei den Verbrauchern, weil für Sojaplantagen große Gebiete in tropischen Regenwäldern gerodet werden. Außerdem enthalten viele Soja-Produkte gentechnisch veränderte Bestandteile.¹, sondern leider auch in meinem Buch „Die Lupinen“ mit dem dubiosen Untertitel „Das Eiweißwunder der Veganer“.

Umweltfreundlichkeit: Lupine vs. Soja

So einfach ist es also nicht. Lasst uns einen etwas differenzierteren Blick werfen. Dass die Lupine bei uns heimisch ist, bietet ihr tatsächlich einen Vorteil: Sie ist besser an das hier herrschende Klima angepasst und kann dadurch, rein quantitativ, in mehr Regionen wachsen als die Sojabohne, die mehr Wärme braucht und bisher nur in bestimmten Regionen Süddeutschlands angebaut werden kann. Dieser quantitative Vorteil wird dadurch verstärkt, dass die Sojabohne im Vergleich zur bodentechnisch anspruchslosen Lupine mehr Ansprüche an den Boden stellt.

Was den Wasserbedarf angeht, haben beide Pflanzen einen hohen Bedarf während Keimung und Blüte. In den Gesprächen während meines Besuches bei der purvegan GmbH habe ich erfahren, dass die diesjährige Lupinenernte zusätzlich bewässert werden musste, während die Sojafelder mit dem Regenwasser auskamen (Vorsicht, Einzelstichprobe).

Auch die Sojabohne geht eine Symbiose mit Rhizobium-Bakterien ein. Ihr spezielles Symbiosebakterium, das Bradyrhizobium japonicum ist allerdings in unserem Boden nicht heimisch und muss gezielt mitgesät werden. Danach gilt aber auch für Soja, dass sie den Boden mit Stickstoff und Phosphat anreichert, wobei die Phosphatanreicherung durch Lupinchen stärker ausgeprägt sein soll.

Prinzipiell haben die beiden Pflanzen recht große Gemeinsamkeiten — was nicht verwunderlich ist, da doch beide derselben Pflanzenfamilie (Hülsenfrüchtler) angehören. Die Lupine scheint in unseren Breiten eher dafür geeignet sein, in größerem Stil angebaut zu werden — darüberhinaus empfinde ich die Unterschiede aber als recht gering und würde da keine Rangordnung einführen.

Hauptnährstoffe in der Lupine

Was ist denn nun so drin in dieser Bohne? In der Lupine finden sich verschiedenste wertvolle Inhaltsstoffe — am attraktivsten und bekanntesten ist die Pflanze aber wegen ihres hohen Eiweißgehalts (~31-42%), der ähnlich wie der der Sojabohne einen hohen Anteil an Lysin besitzt.

In vielen pflanzlichen Eiweißquellen ist das Lysinvorkommen recht begrenzt. Warum gerade hier nicht? Nun, Lysin ist eine stickstoffhaltige Aminosäure — und gerade von Stickstoff haben Hülsenfrüchtler mit ihren Rhizobiumsymbiosen ja einen üppigen Vorrat.

Während die Sojabohne noch ein vollwertiges Aminosäureprofil besitzt, ist das Eiweißprofil der Lupine durch Methionin limitiert. Ist wohl wissenswert, tendenziell gehe ich aber davon aus, dass im Rahmen einer veganen Ernährung vor allem Lysin kritisch ist und alle anderen Aminosäuren sonst eher überschüssig sind und auf einen Lysinnachschub warten.

Daneben enthält die Lupine allerlei Mineralstoffe wie Mangan, Kupfer, Eisen, Magnesium, Phosphor und co — außerdem einige Vitamine, in größeren Mengen z.B. Vitamin B1. Es kursierte einige Zeit die Aussage, mit der Lupine könne man seinen Vitamin B12 bedarf pflanzlich decken — wie aber schon so viele solcher B12-Verkündungen scheint auch diese sich nicht zu bestätigen.

Was den Fettgehalt angeht, scheint die Lupine tendenziell weniger Fett zu enthalten als die Sojabohne. Ich habe da Angaben gefunden von 4-7% oder 9.7% Fettgehalt der Lupine gegenüber 18.3% Fettgehalt der Sojabohne.

Sekundäre Pflanzenstoffe in Lupine und Soja

Wie auch in der Sojabohne, finden sich in der Lupine Phytoöstrogene. Das sind umstrittene Stoffe, die einerseits das Potenzial zu haben scheinen, Krebs zu verhindern — andererseits hormonell wirken und damit möglicherweise unseren Hormonhaushalt durcheinanderbringen können. Das ist eine Thematik, der ich irgendwann einmal einen ganz eigenen Artikel widmen möchte.

Leider konnte ich keine konkreten Zahlen finden, um den Gehalt an Phytoöstrogenen der beiden Pflanzen mal zu vergleichen. Bei meinen Recherchen fand sich vereinzelt der Hinweis, dass Phytoöstrogene im Vergleich zu Soja in der Lupine nur in geringen Mengen enthalten sind.

Ein weiterer Vergleichspunkt sind sogenannte Trypsinhemmer. Trypsine sind Verdauungsenzyme, die uns helfen, Eiweiße in ihre Aminosäuren zu zerlegen und damit für unseren Körper verwertbar zu machen. Trypsinhemmer sind dann Stoffe, die die Trypsine in ihrer Arbeitsfähigkeit einschränken — die Folge: die Eiweiße werden nicht abgebaut und werden über Pipi oder Stuhl wieder ausgeschieden.

Die Lupine enthält wenige bis keine Trypsinhemmer — die Sojabohne hingegen schon, sogar gar nicht wenige. Trypsinhemmer können allerdings durch Erhitzen abgebaut werden, weshalb der negative Effekt in den meisten Sojaprodukten sicher nochmal eingeschränkt ist. Inwiefern das Kochen oder vielleicht auch eine Fermentierung (z.B. bei Tempeh) dieses Problem bei Soja in der Praxis ganz oder nur teilweise beseitigt, wäre mal einen eigenen Beitrag wert.

Dann sind noch die Lektine zu erwähnen. Unter den Lektinen fasst mensch allerlei unterschiedliche Stoffe zusammen, die sich an Zellen binden und von dort biochemische Reaktionen auslösen können. Viele Lektine sind mehr oder weniger giftig, können z.B. unsere roten Blutkörperchen verklumpen lassen. Gerade Hülsenfrüchte enthalten Lektine.

Als ich die Lektinsituation genauer untersuchen wollte, hat sich schnell der Eindruck eingeschlichen, dass die Datenlage hier recht schwammig und knapp ist — dass z.B. oft allgemein über „die Lektine“ geschrieben wird, wenn die unterschiedlichen Lektine möglicherweise ganz unterschiedliche Toxizität besitzen. Auch die Lupine enthält wohl Lektine, viele Informationen dazu konnte ich allerdings nicht finden.

Ich habe dieses Thema deshalb von meinem Verständnis und für diesen Artikel erstmal ausgespart. Das für die Praxis relevante Fazit können wir hier glücklicherweise trotzdem ziehen: Lektine sind Eiweiße und denaturieren deshalb durch mehr oder weniger gründliches Kochen.

Wie zu beinahe jedem Lebensmittel, können Menschen auch gegen Lupinen eine (Kreuz-)Allergie entwickeln. Aufgrund ähnlicher Eiweiße sollten Menschen, die bereits von einer Hülsenfrüchtler- oder Erdnussallergie wissen, besonders vorsichtig sein.

Restalkaloide in der Lupine?

Es bleibt noch ein Inhaltsstoff zu beleuchten: die Alkaloide. Wie beschrieben, enthielten Lupinen ursprünglich größere Mengen giftiger Alkaloide, die mensch bei der Züchtung von Süßlupinen erheblich verringern konnte. In den bitteren Lupinen beträgt der Alkaloidgehalt 1-4%, während Süßlupinen, die als Lebensmittel verkauft werden, eine Höchstgrenze von 0,02% Alkaloiden nicht überschreiten dürfen.

Dennoch sind auch weiterhin Alkaloide in Lupinen enthalten — weshalb sich z.B. ein Artikel vom Urgeschmackblog recht warnend bis abratend liest und in den Kommentaren auch Erzählungen von Menschen zu lesen sind, die nach eigenen Berichten schlecht auf Lupinen reagieren. Also doch ein ungesundes Produkt?

Mmhh… Ich will die Beurteilungen anderer nicht beiseitereden und kann hier wieder nur von mir reden, aber: Als Mensch, der sich glücklich schätzt, gesund zu sein, seinem Körper gerne mal was zumutet, kein Lebensmittel in Übermaß isst und ziemlich gelassen mit all den „VORSICHT GIFT!!“-Warnungen (Gluten, Zucker, …) umgeht, mache ich mir bei der Lupine keine Sorgen.

Prinzipiell sind Alkaloide wasserlöslich. Lupinenprodukte, bei denen die Bohnen in Wasser eingeweicht und evtl auch gekocht wurden, haben damit einen nochmal weiter verringerten Alkaloidgehalt. Das dürfte bei Lupinenschnitzeln und co der Fall sein, trifft aber nur eingeschränkt auf Lupinenmehl zu, bei dessen Herstellung lediglich eine kurze Erhitzung mit Wasserdampf stattfindet (die Lupinenalkaloide sind hitzebeständig). Ein Schälen der Bohnen soll aber auch hier nochmal reduzierend wirken…

Für Menschen, die Zahlen mögen, habe ich drei Vertreiber von Lupinenprodukten angeschrieben und nach dem Alkaloidgehalt der von ihnen verwendeten Lupinen gefragt. Die Antworten lagen zwischen 0.01 und 0.015 Prozent… Nun, wie dem auch sei: Die Sojabohne ist jedenfalls alkaloidfrei und hier sorgenloser.

Kulinarische Einsatzmöglichkeiten für die Lupine

Lupinenbohnen So, genug Bla. Ist doch ein Küchenblog hier — kommen wir lieber dazu, was mensch aus der Lupine alles machen kann. Grundsätzlich gilt: Durch die große Ähnlichkeit zur Sojabohne, lässt sich mit der Lupine fast alles machen, was sich auch mit Soja machen lässt: Lupinen-Tempeh, Lupinensauce (Sojasauce), Lupinen-TVP (á la trockene Sojaschnetzel), Lupinenmilch, … Diese Produkte haben dann einen anderen Geschmack als ihre Sojaprototypen, aber wohl dieselben Einsatzbereiche.

Einen überraschenden Unterschied gibt es noch: Das Lupineneiweiß soll weit schwieriger als das Sojaeiweiß auszufällen sein, weshalb die Herstellung von Lupinen-Tofu (sog. Lopino) weit größere Mengen an Lupinen benötigt als die Herstellung von gewöhnlichem Tofu Soja benötigt. Das soll Lopino zu einem recht unwirtschaftlichen Produkt machen.

Lupinenmehl kann anteilig zum Backen verwendet werden und soll dabei tolle Dinge wie längere Haltbarkeit oder einen aufgewerteten Eiweißgehalt des Brots bewirken. Für meinen nächsten Artikel möchte ich das alles in Experimenten ausprobieren und darüber berichten.

Prinzipiell würde ich erwarten, dass das Lupineneiweiß außerdem als Emulgator dienen kann und mensch aus der Lupine auch Dinge wie sojafreie Mayonnaise etc herstellen können müsste. Mein Versuch, Lupinenmehl in Hafermilch zu pürieren und dann Öl reinzumixen, hat jedoch leider nicht zu einer Mayo geführt ]: Weiß hier jemand mehr?

Die Lupine hat einen nussartigen Geschmack, den ich als recht lecker empfinde. Das ermöglicht vermutlich viel Neues, mir spukt beispielsweise die Idee von gekochten Lupinenbohnen in einem grünen Salat im Kopfe rum.

Lupine: Eigengeschmack und Lebensmittelindustrie

Was mensch im Zusammenhang mit der Lupine oft hört, sind die Worte „Lupineneis“ oder „Deutscher Zukunftspreis“. Es gab nämlich ein Forschungsprojekt, das zweiteren gewonnen hat und aus dem dann ein Produzent von Lupineneis und mittlererweile vielen weiteren Produkten wie z.B. Lupinenjoghurt oder -aufstrich hervorgegangen ist.

Was gibt es dazu zu wissen? Das Verfahren, das den Preis gewinnen konnte, war eine Methode, mit der das Eiweiß der Lupine isoliert werden konnte und bei der gleichzeitig geschmacksbeeinträchtigende Stoffe abgespalten werden.

Viele Menschen mögen den Eigengeschmack von Soja nicht so gerne, da klingt es doch super, wenn wir den bei der Lupine wegbekommen können? Mh, ja, schon irgendwie, aber… Schaut mensch sich die Zutatenlisten der oben erwähnten Produkte an, findet sich darin nicht die Lupine selbst, sondern ausschließlich isoliertes „Lupinen-Eiweiß“.

Wirklich vollwertig ist das nicht — was nicht ausschließt, dass es praktisch sein mag, aus der Lupine einen lebensmitteltechnischen Hilfsstoff gewinnen zu können. Fest steht aber: Die Errungenschaft dieses „Deutschen Zukunftspreises“ ist in erster Linie eine Errungenschaft für die Lebensmittelindustrie statt für uns als Selbstmachfanatiker- und Küchenpraktiker*innen.

Ich finde es wichtig, hier zwischen vollwertiger Lupine und isoliertem Eiweiß zu differenzieren, weil sonst z.B. Artikel wie dieser hier entstehen, in dem die Lupine fälschlicherweise als geschmacksneutrale Überlegenheit der Sojabohne gegenübergestellt wird.

Fazit

Sooo — bevor ich angefangen habe, über die Lupine zu recherchieren, war sie für mich ein potenziell ziemlich cooles, sehr ökologisches Lebensmittel, das Soja aus irgendwelchen Gründen vorziehen zu sein könnte. Hier nochmal eine knappe Übersichtstabelle der Vorteile (+), Nachteile (-) und Gemeinsamkeiten (~) der beiden Pflanzen:

 

Lupine Soja
Boden- und Klimaansprüche (+) recht anspruchslos — dadurch in quantitativ mehreren Gegenden regional anbaubar (—) anspruchsvoller aber dennoch bereits einige Anbauflächen in der EU
Wasserbedarf (—) Feld musste 2015 zusätzlich gewässert werden (potenziell aussageschwacher Einzelfall) (+) Feld musste 2015 nicht zusätzlich gewässert werden (potenziell aussageschwacher Einzelfall)
Düngeeffekt (~) guter Düngeeffekt durch Knöllchenbakterien. etwas mehr Phosphatanreicherung. (~) guter Düngeeffekt durch Knöllchenbakterien
Eiweiß (~) viel Eiweiß. Methionin fehlt (~) viel Eiweiß. starkes Aminosäureprofil
Fett (~) weniger Fett als Soja (~) mehr Fett als Lupine
Phytoöstrogene (+) nicht bis wenig enthalten (—) in größeren Mengen enthalten
Trypsinhemmer (+) nicht bis wenig enthalten (—) in größeren Mengen enthalten (ggbf durch Kochen zerstört)
Alkaloide (—) Restalkaloide enthalten (+) keine Alkaloide enthalten
Lektine (—) Lektine enthalten (—) Lektine enthalten
Einsatzbereiche in Lebensmitteln (~) vielfältig. fast deckungsgleich (~) vielfältig. fast deckungsgleich
Verfügbarkeit (—) wenige Lupinenprodukte käuflich. recht hohe Preise (+) im Handel etabliert

Was ziehe ich nach meinen Recherchen nun für ein Fazit? Am wesentlichsten wohl, dass Soja und die Lupine sich vor allem ziemlich ähnlich und gegenseitig austauschbar sind.

Mal zugegeben: Dadurch, dass Soja so vielseitig einsetzbar ist, gibt es bei mir von ganz alleine die Tendenz, dass es häufig in irgendeiner Form (Milch, Tofu, Joghurt, …) beim Kochen mit von der Partie ist. Viel von einem Lebensmittel zu essen birgt nur leider die Gefahr, dass mensch eine Allergie gegen dieses Lebensmittel entwickelt.

Unter dem Blickwinkel war ich ziemlich neugierig, ob die Lupine sich vielleicht wunderbar eignet, das ein oder andere Gericht in Zukunft mal sojafrei zuzubereiten. Nachdem die beiden Pflanzen aber so ähnlich sind, vermute ich stark, dass sie dieselben oder ähnliche Allergien begünstigen können und ein Austauschen deshalb nicht viel bringt. Schade.

Eine Möglichkeit, die ich allerdings sähe, wäre durch das Abwechseln von Soja- und Lupinenprodukten die einzelnen Problemstoffe der beiden Pflanzen (Alkaloide, …) gering zu halten (sofern diese denn überhaupt wirklich problematisch sind…).

Lupinenprodukte sind noch recht schwer zu bekommen (die getrockneten Bohnen beispielsweise fast gar nicht) und preislich nicht gerade ohne — weshalb ich mir die Frage stelle, ob sich die Lupine bei den geringen Unterschieden überhaupt lohnt.

So, das klang etwas moserig (: Bitte nicht falsch verstehen: Für mich sind sowohl Soja als auch die Lupine geile Lebensmittel mit vielen bereichernden Einsatzmöglichkeiten in der Küche. Lediglich die große Erwartungseuphorie, dass die Lupine wesentliche Vorteile zu Soja bietet, hat bei mir noch nicht eingesetzt — ob sich viele Rezepte kreieren lassen, die unbedingt die Lupine verlangen, muss sich zeigen…

 

Verwendete Quellen:

[1] Mein Besuch bei der purvegan GmbH
[2] Mailanfragen zum Alkaloidgehalt bei Govinda, Gesund&Leben und dem Urkornhof
[3] Die Lupinen. Das Eiweißwunder der Veganer. Von Jörg Rinne. Basel, 2015.
[4] Weiße Lupine. Aus biologischem Anbau in die vegane Küche. Rezepte und Hintergründe. Von Elke zu Münster, Eva Euerl. Hamburg, 2015.
[5] wikipedia.de – Lupinen
[6] hortipendium.de – Stickstoff
[7] wikipedia.de – Phosphor
[8] oekolandbau.rlp.de – Anbau von Lupinen
[9] sojafoerderring.de – Sojabohnen erfolgreich anbauen
[10] ufop.de – Lupinen. Verwertung und Anbau
[11] uni-giessen.de – Weiße Lupine
[12] lupinenverein.de – Alkaloidgehalt in Blauen, Gelben und Weißen Lupinen
[13] ugb.de – Lupine: die heimische Eiweißquelle
[14] urgeschmack.de – Ist Lupinenmehl gesund?
[15] wikipedia.de – Lektine
[16] uni-giessen.de – Nutritive und antinutritive Inhaltsstoffe der Leguminosen
[17] ufop.de – Ernährungsphysiologische und biofunktionelle Wirkungen von Inhaltsstoffen einheimischer Körnerleguminosen (Erbse, Ackerbohne, Lupine)
[18] orgprints.org – Anbau- und Verwertungsstrategien für Sojabohnen und Weiße Lupinen im ökologischen Landbau unter besonderer Berücksichtigung des N-Haushalts
[19] deutscher-zukunftspreis.de – Lebensmittelzutaten aus Lupinen – Beitrag zu ausgewogener Ernährung und verbesserter Proteinversorgung
[20] erdreporter.de – Lupinen, das bessere Soja? – ein Geschmackstest

 

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